Aktuelles Thema bei SU-Salzgitter: Grüne Gentechnik

Die Zell- und Molekular-Biologin Anne Reupke informierte die Senioren-Union über grüne Gentechnik.

In ihrem Vortrag beschrieb sie die Verfahren zur Herstellung sowie Ziele und Nutzen von gentechnisch veränderten Pflanzen (gv-Pflanzen).
Die Zell- und Molekular-Biologin Anne Reupke bei ihrem VortragDie Zell- und Molekular-Biologin Anne Reupke bei ihrem Vortrag
Die grüne Gentechnik ist eine junge Technik. Die kommerzielle Nutzung hat sich in den letzten 20 Jahren entwickelt. Durch diese Technik ist die Züchtung von Pflanzen mit bestimmten Eigenschaften schneller und gezielter möglich, als es auf dem natürlichen Wege (Kreuzung) möglich wäre. Durch die Technik werden bestimmte Gene ausgewählter Spenderpflanzen in eine andere Pflanze übertragen, um der Empfängerpflanze bestimmte Eigenschaften zu verleihen. Als Beispiel nannte Frau Reupke den „goldenen Reis“. Hierbei ist es nach zehnjähriger Entwicklung gelungen, ein Gen der Glockenblume in den Reis zu pflanzen, der Reis mit Vitamin A anreichert. In Entwicklungs- und Schwellenländern gehört Reis zu den Hauptnahrungsmitteln und könnte somit helfen, den Vitamin-A-Mangel zu bekämpfen.



Ein weiterer Aspekt ist die Entwicklung von schädlingsresistenten Pflanzen, um einen höheren Ertrag zu erzielen oder einen geringeren Pestizideinsatz zu ermöglichen. In 27 Ländern der Erde werden gv-Pflanzen – hauptsächlich Baumwolle, Soja, Mais und Raps – angebaut. In Deutschland ist der Anbau verboten. Auch für die Forschung dürfen die Pflanzen nur in Klimakammern oder Gewächshäusern angebaut werden.


Welche Lebensmittel enthalten Gentechnik?

Gentechnik steckt bei uns hauptsächlich in Zutaten und Zusatzstoffen auf Soja- oder Maisbasis. In Futtermitteln aus Soja oder Mais sowie in Zusatzmitteln wie z. B. Glutamat, Vitamin B12 oder Zitronensäure. Außerdem sind Enzyme (z.B. zur Käse-Herstellung) oder Maisstärke zur Umwandlung in Zucker (daraus entstehen Traubenzucker und Glukosesirup) meistens gentechnisch behandelt. Die meisten Aromen werden auf dieser Basis gewonnen (Erdbeer-Joghurt enthält selten echte Erdbeeren). Weit über 100 der in Deutschland zugelassenen Pharmazeutika enthalten gentechnisch hergestellte oder veränderte Bestandteile.

In Deutschland gibt es starke Ressentiments gegen Gentechnik, deshalb verlagern die Firmen oftmals auch Forschung und Produktion ins Ausland. Da wir über keine nennenswerten Bodenschätze verfügen, ist jeder Abfluss von technologischem Wissen für unsere Wirtschaft oder Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt äußerst nachteilig. Unsere „Rohstoffe stecken in unseren Köpfen“. Frau Reupke wünscht sich daher, dass die Diskussion von der ideologischen und politischen Ebene auf die Sachebene geholt wird. Mehr Aufklärung und wertfreie Berichterstattung durch die Medien ist von Nöten. Wir brauchen Offenheit für neue Technologien. Die Gesellschaft sollte mehr Neugier und Interesse für unsere jungen Forscher und ihre Projekte zeigen.



Das Fazit der Zuhörer: „Als Land ohne Bodenschätze sind wir auf unser technologisches Wissen angewiesen. Das gilt für alle Wirtschaftsbereiche. Unsere Autos verkaufen sich gut, solange sie gegenüber anderen Produkten Vorteile haben, z. B. sicherer, sparsamer im Verbrauch oder in den Emissionen sind.“

Zusammenstellung LPS Holm Eggers, Text und Bilder: Hans Verstegen