Ziel der Sommerreise 2015 war der Bodensee.
Die lange Busreise wurde aufgelockert durch zahlreiche Pausen. Als Unterkunft diente während des gesamten Aufenthaltes das gediegene 4-Sterne Flair-Hotel Gerbe in Friedrichshafen-Ailingen. Eine gute Küche, der wunderschöne Garten, das Hallenbad und die Saunalandschaft trugen wesentlich dazu bei, dass die Reise ein unvergessliches Erlebnis wurde.
Friedrichshafen, Schlosskirche und Schloss Bis zum Jahre 1900 besaß Friedrichshafen als Warenumschlagplatz und Ferienziel eine überregionale Bedeutung, die durch die Anwesenheit des Königs von Württemberg während der Sommerzeit glanzvoll unterstrichen wurde.
Untrennbar mit Friedrichshafen ist jedoch der Name Ferdinand Adolph August Heinrich Graf von Zeppelin verbunden (1838 – 1917).
Er wurde am 8. Juli 1838 in Konstanz geboren, trat als Jugendlicher in die Militärakademie ein, war zwischen 1885 und 1890 Gesandter Württembergs in Berlin sowie zeitweise Adjutant des württembergischen Königs und persönlicher Berater von dessen Sohn. Daraus resultierte die dauerhafte Freundschaft des späteren Königs. Nach einer glanzvollen Militärkarriere beendete General Graf Zeppelin 1890 unfreiwillig seinen Dienst und begann sich 1891 mit dem Projekt eines riesigen Luftschiffes für große Reichweiten und hohen Nutzlasten zu beschäftigen, getreu dem Motto: „Man muss nur wollen und daran glauben, dann wird es gelingen.“
Unterstützung fand Graf Zeppelin in König Wilhelm II. von Württemberg. Er war es, der ihm ein Grundstück in Friedrichshafen-Manzell zur Verfügung stellte. So entstand der Luftschiffbau am Bodensee, der die Ansiedlung von weiteren bedeutenden Industrieunternehmen wie ZF, Rolls Royce und Airbus nach sich zog und bis heute Friedrichshafen eine internationale Bedeutung verleiht, die symbolhaft auf einem Denkmal dargestellt wird. Auch heute werden wieder Zeppeline gebaut und erfreuen sich großer Beliebtheit.
Ein Muss in Friedrichshafen ist der Besuch des Zeppelin-Museums. Am 2. Juli 1900 stieg das erste Starrluftschiff des Luftschiffpioniers Ferdinand Graf Zeppelin in der Manzeller Bucht auf. Insgesamt 119 Giganten der Lüfte wurden während der großen Luftschiffära von 1900 – 1938 gebaut. Die spektakulärsten Unternehmungen waren die Weltumrundung vom 1. August bis 4. September 1929 durch Hugo Eckener mit LZ 127 „Graf Zeppelin“ und vom 24. – 29. Juli 1931 eine Forschungsfahrt in die Arktis zur Landvermessung. Im gleichen Jahr begann der erste internationale Luftverkehr mit Passagieren, Post und Fracht von Friedrichshafen nach Brasilien. Das Ziel, mit einem noch größeren und leistungsfähigeren Luftschiff zu fahren, wurde 1936 nach fünfjähriger Bauzeit mit der Indienststellung des LZ 129 „Hindenburg“ erreicht. Es gab nichts Vergleichbares auf der Welt. Deutschland war in der Luftschifftechnologie führend. Leider verbrannte die LZ 129 innerhalb von 30 Sekunden bei der Landung in Lakehurst/USA am 6. Mai 1937 unter ungeklärten Umständen nach 63 Fahrten und 337.282 zurückgelegten Kilometern. Wie luxuriös und schnell man mit einem Luftschiff reiste, zeigen die Bilder vom Gesellschaftsraum, der Poststelle und des Schreibzimmers.
Die Ausmaße des LZ 129 waren gigantisch. Länge 245 m, größter Durchmesser 41,2 m, Gasvolumen 200.000 m*3, Leergewicht 118 t, Startgewicht 220 t, Zuladung 11 t Fracht, Post und Gepäck, Betriebsstoffvorrat max. 90.000 Ltr. Schweröl, Reichweite 12.000 – 16.000 km, Passagiere: 50 Betten in Doppelkabinen, Besatzung: 50 – 60 Mann. Reisegeschwindigkeit: 120 km/h.
In der Werbung bezeichnet sich die Bodensee-Region als der Obstgarten Deutschlands. Sie ist auch nach dem Alten Land bei Stade das zweitgrößte Obstanbaugebiet. Nichts lag näher, als uns einen Obsthof anzusehen.
Sofort aufgefallen ist, dass die Apfelbäume alle unter Plastikplanen standen. Auf die Frage, weshalb dieser Aufwand betrieben wird, kam zur Antwort, dass diese Gegend im Sommer häufig von Hagelschauern heimgesucht wird und die Äpfel von den Hagelkörnern beschädigt werden, so dass sie nicht mehr als Handelsklasse I zu vermarkten sind.
Nach Besichtigung der Obstplantagen wurden wir in der Besenwirtschaft bei Most oder Apfelsaft mit Dienle in verschiedenen Variationen verköstigt, vergleichbar mit dem elsässischen Flammkuchen.
Am Dienstag, dem 18. August 2015, waren die Blumeninsel Mainau und die Stadt Meersburg Ziele unserer Exkursion. In Unteruhldingen setzten wir über zur Insel Mainau. Die Pfahlbauten in Unteruhldingen sind die ältesten vorgeschichtlichen Siedlungsstellen in Deutschland.
Die Insel Mainau ist ein Fleckchen Erde, wo man die Seele baumeln lassen kann. Die historische Baumsammlung umfasst mehr als 500 verschiedene Arten von Laub- und Nadelhölzern. Im Schatten der mächtigen Bäume kann man auf den Bänken Platz nehmen, entspannen und die Blumenpracht, die immer der jeweiligen Jahreszeit angepasst wird, bewundern.
Mittelpunkt der Insel ist das imposante Schloss mit der Schlosskirche, welches vom Graf Bernadotte nebst Familie bewohnt wird. Sie sind verwandt mit dem schwedischen Königshaus.
Meersburg ist ein wunderschönes Städtchen mit einem gut erhaltenen mittelalterlichen Stadtbild. Berühmt ist das Alte Schloss.
Die Dichterin Annette Freiin von Droste-Hülshoff (1797 – 1848), aus altwestfälischem Adel stammend, lebte hier seit 1841. Hier schrieb sie auch ihre bekannteste Erzählung „Die Judenbuche“.
Restauriert und den Besuchern wieder zugänglich ist das Neue Schloss gleich neben dem alten. Es diente den Fürstbischöfen von Konstanz als Sommerresidenz. Von der Terrasse des Schlosses hat man einen atemberaubenden Blick auf den Bodensee.
Mittwoch, den 19. August 2015, standen Konstanz, ein Abstecher in die Schweiz nach Stein am Rhein und abends als Glanzlicht der Besuch der Bregenzer Festspiele auf dem Programm.
Das vom deutschen König Sigismund nach Konstanz einberufene Konzil von 1414 – 1418 zählt mit zu den wichtigsten in der Geschichte der Christenheit und hatte drei Aufgaben: Die Beendigung des seit 1378 bestehenden Schismas zwischen den in Rom und Avignon residierenden Päpsten, zu denen sich auf dem Konzil von Pisa 1409 noch ein dritter gesellte, die Beurteilung der Lehren von Wiclif und Hus und schließlich eine umfassende Kirchenreform. Das Konzil setzte alle 3 Päpste ab (Gregor XII in Rom, Benedikt XIII in Avignon und Johannes XXIII in Pisa) und wählte Martin V 1417 als neuen und einzigen Papst. Hus wurde 1415 in Konstanz als Ketzer verbrannt. Das Konzil tagte in einem großen Speicher am Hafen.
Darüber hinaus erfolgte ein wichtiger Schritt in der Geschichte Brandenburgs. Dem Burggrafen Friedrich VI von Nürnberg aus dem Hause Hohenzollern wurde 1415 die Kurfürstenwürde übertragen, und die feierliche Belehnung fand zwei Jahre später am 18. April 1417 auf dem Konstanzer Konzil durch Kaiser Sigismund statt, nun als Friedrich I, Markgraf und Kurfürst von Brandenburg.
Im Konstanzer Münster wurden die Konzilbeschlüsse verlesen, u.a. das Dekret vom 6. April 1415: „Ihr (der Synode) ist ein jeder, welchen Standes und welcher Würde auch immer, zu gehorchen verpflichtet.“
Hoch in Ehren gehalten wird die Rettung der Stadt Stein durch einen Bäckergesellen, der 1478 nachts beim Auswaschen von Laken im Rhein die Ankunft von fremden Soldaten bemerkte, diese hinhielt (wartet noch eine Weile auf Schweizer Deutsch) und die Bürgerwehr alarmierte.
Ein einmaliges Erlebnis war der Besuch der Bregenzer Festspiele. Aufgeführt wurde die Oper „Turandot“ von Giacomo Puccini.
Einen Eindruck vom Festspielort, der Bühne und das aufwändig gestaltete Bühnenbild nebst Akkustik vermitteln das Bild oben.
Am Donnerstag, dem 20. August 2015 galt es, Bregenz bei Tag und Lindau zu erkunden. Der Hausberg der Stadt Bregenz ist der 1064 m hohe Pfänder, der mit einer geräumigen Panoramagondel bequem zu erreichen ist. Von dort oben hatte man einen herrlichen Ausblick auf den Bodensee und die Städte Bregenz und Lindau.
Nachmittags streiften wir durch Lindau. Die Stadt liegt auf einer Halbinsel und gehört zu Bayern
Am Freitag, dem 21. August 2015, hieß es Abschied nehmen von dieser schönen Gegend, die uns viele schöne Eindrücke und Erlebnisse bescherte.
F. Volkmer